Home arrow Heatherland
 
Massachusetts 2007 PDF Drucken E-Mail
Beitragsinhalt
Massachusetts 2007
Seite 2
Seite 3
Seite 4
Seite 5
Seite 6
Seite 7
Seite 8
Seite 9
Seite 10
Seite 11
Seite 12
Seite 13
Seite 14

 

Zwischen durch war ich dann mal „Für  kleine Königstiger“, als Laura völlig aufgeregt in den Toilettenraum stürmte. „Stephanie, where are you? I need your camera, NOW! Quick!!“ Ich war doch etwas überrascht und reichte ihr über meine Kabinentür die Kamera. Wieder aus  der Toilette sah ich eine leicht errötete Laura, die mit einem Backfischgrinsen einen älteren Herrn um die Mitte 60 anhimmelte. Sie wollte offensichtlich mit ihm fotografiert werden. Ich kam gerade dazu, als er sagte: „Sorry, no photos, just handshaking“. Er schüttelte ihr ausgiebig die Hand, wandte sich zu mir um, warf mir ein gönnerhaftes Grinsen entgegen und ergriff ebenfalls meine Hand zum „handshaking“. Ich starrte ihn verständnislos an und fragte mich, ob er vielleicht der Veranstalter oder ein wichtiger Richter wäre.  Der Typ drehte sich von uns ab, wollte offensichtlich nicht weiter behelligt werden. Ich fragte Laura, wer das denn nun gewesen sei. „Alan Alder“ hauchte sie. „ Alan what??“ Naa, kennt ihr nicht? Seht ihr, ich auch nicht!

 

image003.jpg

 

Er sei ein ganz bekannter Schauspieler und hätte mal in der Serie M.A.S.H. mitgespielt. Das war zwar schon vor 30 Jahren gewesen, aber na ja. Sie war total aufgeregt. Ich teilte ihr mit, dass bei mir nur der Anblick von Pierce Brosnan, Bill Pullman oder Hugh Jackman derart den Schlüpfer heiß werden ließe, dass ich Leute auf der Toilette überfallen und deren Kamera abziehen würde. Aber nicht so ein alter Mann! Sie versprach mir, nach Brosnan, Pullman und Jackman Ausschau zu halten und mich erst dann wieder von einer Toilette zerren würde, wenn sie einen der drei gefunden hätte. Wir haben uns schlapp gelacht. Ich dachte, damit sei die Sache mit dem alten Mann erledigt, aber nein, weit gefehlt. Als wir von der Schau nach Hause fuhren, näherten wir uns zum x-ten Mal einer Mautstation. Apropo Maut: In den zwei Tagen, in denen ich mit Laura durch die Gegend fuhr, hat sie bestimmt 50 Dollar nur an Mautgebühren bezahlt. Ich habe daher beschlossen, mit dem Geld, das ich in meinem nächsten Leben mit den Reisekoffern verdienen werde, mehrere Autobahnstrecken zu finanzieren, Tunnel, Brücken, etc, und mir mit den Mauteinnahmen die Nase verplatinieren werde, yes!

 

Aber zurück zu Alan Alder. Wir näherten uns also auf dem Weg zu Special Collies einer der unzähligen Mautstationen nahe Boston. Schräg vor uns fuhr ein aufgemotzter Hummer mit einem seltsamen Kennzeichen:

 

image039.jpg

 

Laura sah den Hummer mit dem Kennzeichen aus dem Bundesstaat Maine und war sofort wieder Feuer und Flamme. „Stephanie! Get out your camera and take a photo of the car and it’s driver!“  Ähemmm… Es war stockdunkel und regnete wie aus Kübeln.. “Why?...?” wagte ich zu fragen. Antwort: Alan Alder wohnt im Bundesstaat Maine, liebt die Automarke Hummer und sein Codename in der Serie war HAWKEYE. Also war davon auszugehen, dass dieser Superheld ebenfalls auf dem Weg nach Hause von der Dog Show war und mal wieder unsere Bahn kreuzte. Also tat ich das Unvermeidliche: Ich kurbelte das Fenster runter, knipste gegen Fahrtwind und Schlagregen ein dunkles Auto. Laura gab Gas und überholte den Hummer, bis wir auf gleicher Höhe fuhren. Nun sollte man nicht denken, dass den Insassen des Hummers diese Aktion verborgen geblieben war. Ein aus dem Auto halb heraus hängender Fotograf, der sie mit Blitzlicht verfolgte und jetzt versuchte, in den Wagen hinein zu fotografieren, fiel natürlich auf. Endlich auf gleicher Höhe stoppten beide Wagen nebeneinander an der Mautstation und ich blickte in die Augen von zwei knackigen jungen Latinos, die mir deutlich besser gefielen, als der alte Mann Alan Alder! Ich quetschte noch ein „Hi guys!“ raus, bevor ich zügig mein Fenster wieder hochkurbelte und befand, dass es mir ja nicht so peinlich sein musste, da das Risiko, den Beiden jemals wieder zu begegnen, geringer war, als ein 6er im Lotto mit drei Zusatzzahlen oder so. Laura war enttäuscht und ich klitschnass. Jedem das Seine…

Auf der zweistündigen Fahrt zu Laura nach Hause gingen mir langsam die Lichter aus. In meinem Kopf war es mal wieder Mitternacht und ich war todmüde. Bei Laura war es deutlich kälter und es lag Schnee. Ich brachte schnell mein Gepäck in das Gästezimmer, aß ein Kleinigkeit und war ruck zuck im Land der Träume.

 



 
< zurück   weiter >
 
 
 
Hauptmenü