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Niagara's vermeintliche Hochzeitsreise nach Kopenhagen 2007
Eine gute Zuchthündin kann bei guter körperlicher Verfassung ohne weiteres vier Würfe im Laufe ihres Lebens aufziehen. Mit diesem Hintergedanken im Kopf mache ich mir als Züchter natürlich so meine Gedanken, in welche Richtung die mir noch verbleibenden zwei Würfe mit unserer Hündin Gracie (Heatherland’s White Maid of the Mist Niagara) gehen sollen. Genauer gesagt: Welche Rüden setze ich ein?
Gracie ist ein Original US-Import, ihre Blutlinien sind also 100% American Lines. Ich möchte für einen Wurf einen gleichwertigen Rüden, ebenfalls mit 100% American Lines einsetzen. Der verbleibende letzte Wurf soll mit unserem Rüden Cherokee als Vater fallen, diese Anpaarung ist schon lange geplant.
Schwierig gestaltet sich die Suche nach einem 100% American Lines Rüden. Ein US-Import oder ein direkter Nachfahre von US-Importen, der alle Untersuchungen hat, Wesenstest und mir auch optisch gefällt, ist nicht leicht zu finden. Ich hatte sogar schon an Tiefgefriersperma aus den Staaten gedacht, einen Rüden zu importieren, etc. Dieses Problem beschäftigt mich schon seit zwei Jahren. Doch schließlich hörte ich von so einem Rüden in Dänemark. 100% Tartanside-Abstammung (das Allerfeinste der US-Zucht J) , HD-frei, CEA-PRA-KAT-frei und Wesenstest. MDR1 fehlte noch.
Also haben wir bei unserem Urlaub in Dänemark vergangenen November einen Abstecher gemacht, und uns den Rüden angeschaut:

Ein toller Kerl mit viel lackschwarzem Fell und super Charakter. Ich bekam die Zusage, dass die Halterin ihm für den MDR1-Test Blut abnehmen lässt und nach Gießen schickt. Den Test bezahlte ich. Ergebnis: MDR1 +/-, also für Gracie, die ja auch +/- hat, geeignet.
Alles lief perfekt, irgendwie zu perfekt für meine Verhältnisse…
Pünktlich am 1. Januar wurde Gracie läufig. Ich entschloss mich, per Bahn zu reisen. Also BahnCard online beantragt inkl. International Plus (€ 68.-), Tickets für mich und Gracie (€ 84,20 inkl. Platzreservierungen; als „Kind“ konnte sie bei meiner BahnCard umsonst mitreisen) bestellt, Maulkorb gekauft (€ 6.99; müssen Hunde über 45 cm in der Bahn tragen), in Kopenhagen ein Hotelzimmer für zwei Tage reserviert (ca. € 160), alles gut geplant und vorbereitet.
Aber dann kam, was ich insgeheim schon lange erwartet hatte: Am Freitag wollte ich um 7.45 Uhr abreisen, aber bis Mittwoch war die BahnCard noch nicht da. Auch nicht am Donnerstag. Also ich zum Bahn Center in Rotenburg gefahren (ich hätte eigentlich arbeiten sollen…), um von denen für meine bereits bezahlte, aber noch nicht geschickte Bahn Card eine Vorläufige zu bekommen. Ohne BahnCard gelten nämlich meine verbilligten Tickets nicht. Der Bahnbeamte etwas überfordert, aber Endresultat: Ich musste eine weitere, zweite BahnCard kaufen und dann die erste Card, wenn sie denn irgendwann einträfe, wieder bei der Bahn einreichen und die Kosten zurück erstatten lassen. Hmmm… Weitere € 68 erstmal weg. Kurz bevor ich das Verkaufscenter verließ, ritt mich der Teufel und ich erkundigte mich nochmals „zur Sicherheit“, ob der Hund denn wie von mir gebucht als Kind mitreisen kann. Großer Fehler! Der Hund muss zwar wie ein Kind bezahlen, ABER…. Auf der BahnCard kann ich zwar kostenfrei bis zu 3 Kinder unter 16 Jahren mitnehmen, aber nur EIGENE Kinder. Der Hund wäre ja nicht mein eigenes Kind, also müsste er extra bezahlen. Und weil er ja keine BahnCard hat, und die 10 Tage für Frühbucherrabatt vor der Abfahrt ja auch abgelaufen seien, müsste der Hund jetzt € 86.- zahlen. Punkt. Langsam ging mir die Geduld und mein Geld aus.. Zur Info: Stolze Summe bis jetzt: € 503,19, die noch zu zahlende Decktaxe von bis zu € 800 noch nicht eingerechnet. Aber gut. Man ist ja guten Willens und flexibel. Pünktlich am Freitag 7.45 Uhr den Zug bestiegen, einmal Umsteigen und dann am Hamburger Hauptbahnhof 45 min warten.

Gracie fand das Ganze ungeheuer spannend. In aller Ruhe betrachtete sie die an ihr vorbei rauschenden Züge. Dann endlich in den letzten Zug, der von Hamburg bis Kopenhagen fährt. Wir hatten vor Reiseantritt Sitzplätze reserviert. Gracie bekam eine Baumwolldecke als Kuschelunterlage mitten im Gang ausgebreitet, da es zwischen den Sitzreihen zu eng für den Hund war. Alle Reisenden mussten jetzt über sie rübersteigen. Aber das nahm sie gelassen hin.
Der Zug fuhr ruhig dahin und ich wurde ein wenig von meiner Müdigkeit (5.00 Uhr morgens aufstehen ist unchristlich!) übermannt und döste so vor mich hin. Plötzlich kam die Durchsage, dass wir in Kürze Puttgarden erreichen würden und die Überfahrt mit der Fähre ca. 45 min dauern würde. F Ä H R E ????????????????
Was soll denn das? Wir sind im November auch über Land nach Dänemark gefahren, das sollte dieser Zug ja wohl auch bewerkstelligen können! Ich bin überhaupt nicht auf die IDEE gekommen, dass der Wasserweg kürzer sein könnte (ich habe bis heute keinen Schimmer, ob der Weg wirklich kürzer ist). Und überhaupt: Wer hätte je davon gehört, dass Züge auf Fähren fahren!! Ich jedenfalls nicht! Und dieser Unmensch beim Bahn Center hat auch kein Sterbenswörtchen davon gesagt! Und dann bei dem Wetter!! Stürmisch und Regen ohne Ende!
Aber es war ganz egal, was ich dachte oder nicht: Der Zug fuhr in den Bauch der Fähre, neben meinem Zugfenster tauchten plötzlich parkende LKWs auf.
Die Fähre legte ab und das Schaukeln begann. Da der Zug ja auch eine eigene nicht unerhebliche Federung besaß, war es ein Gefühl, als ob man in einem Boot saß, dass in einem zweiten Boot fuhr. Also um ein Vielfaches potenziertes Geschaukel…
Fluchtartig verließen die Reisenden den Zug, um auf die Decks zu kommen. Ich mit Gracie hinterher. Einmal Fahrstuhl fahren und rauf aufs Oberdeck.
Anfangs ging es noch ganz gut, bis der Hafen von Puttgarden passiert war, und wir auf die offene Nordsee fuhren. Mir war so übel, dass ich kurz davor war, mein spärliches Frühstück als Fischfutter zu spenden. Aber die Sorge, wie denn erst Gracie sich fühlen musste, lenkte mich ab. Ich bewaffnete mich mit Haushaltstüchern und erwartete das scheinbar Unvermeidliche. Collies sind bekanntermaßen ja keine großen Autofahrer, zumindest in der Jugend nicht, so dass ich fest mit einem „Malheur“ rechnete. Und dieses Geschaukel war wesentlich schlimmer als Autofahren. Aber nix da, Gracie war eher ein wenig gelangweilt und fühlte sich gestört, im Regen auf dem Oberdeck rumsitzen zu müssen, statt in dem Zug weiter auf ihrer Decke schlummern zu können.
Nach 45 endlosen Minuten, einer Fahrt im Fahrstuhl nach unten unter Deck zum Zug zurück (fühlte sich an wie ein freier Fall..), stiegen wir wieder in unser Zugabteil. Um uns herum Passagiere, die im Zug geblieben waren und es anscheinend bitter bereut zu haben, dem Zustand der Toiletten nach zu urteilen…
Also runter von der Fähre und ruhige Zugfahrt bis nach Kopenhagen. Am Zug holte uns Anja, die Deckrüdenbesitzerin ab. Noch weitere zwei Stationen mit der U-Bahn, dann waren wir in ihrem Stadtteil eingetroffen. Gracie hatte sich das letzte Mal um ca. 7.15 Uhr gelöst, nun war es 14.15 Uhr, also 7 Stunden später! Sie musste DRINGEND mal. Aber wo? Kopenhagen ist dermaßen zugepflastert, dass wir erst zu einem alten Friedhof gehen mussten, um einen Flecken Gras zu finden, den Gracie dankbar und ausgiebig benutzte. Dann ab zum Hotel, einchecken und das Gepäck loswerden. Tja und dann gingen wir mit zu Anja und ihrem Mann Peter, um zu sehen, was Gracie von ihrem Bräutigam hielt. Um es kurz zu machen: leider gar nichts. Obwohl sie nachweislich ihre Stehtage hatte, mochte sie Memphis nicht. Nun schob ich das dem anstrengenden Reisetag zu und wollte dann am Samstag in Ruhe nochmals die Hundebekanntschaft ins Rollen bringen.
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